Einmal Lofoten und zurück

Skipper und Eigner: Klaus Günther (66), (Bild L01 oder L02)
Zeitraum: 23. Mai bis 7. September 2017
Strecke: 2.996 sm

Ganzen Bericht als PDF Datei downloaden

Alles begann mit einer Flasche LINIE Aquavit, die im Preisausschreiben der SEGELN-Redaktion gewonnen wurde, im Dezember 2016. Wider besseren Wissens, dass mit der Linie natürlich der Äquator gemeint ist, wurde mit Freunden festgestellt, dass auch der Polarkreis eine Linie hat, die man als eingefleischte Nordmänner mal überqueren sollte. Schließlich wurde die Ostsee mit Törehamn, Haparanda, Kemi, Oulo, Utö, Riga und Klaipeda schon drei Mal umrundet und auch Südnorwegen stand schon mehrfach auf dem Programm.

Mit wechselnden Mannschaften von ein bis zu drei Mitseglern wurden folgende Etappen absolviert:

Barth – Tananger, bzw. Bergen – Trondheim - Svolvǽr/Lofoten – Trondheim – Barth

Eingangs möchte ich erwähnen - Norwegen ist aufregend und wunderschön, wenn es nicht in Strömen regnet und wenn man in der Saison bei schönem Wetter die größeren Orte am Wochenende meidet.

Als Erstes wurde die Strecke Kopenhagen, Anholt, Lǽsø und Skagen schon mit einer gewissen Routine abgesegelt (Bilder L03, L04).

Die Skagerrak-Überquerung nach Kristiansand war bei tagelangen westlichen Winden von bis zu 27 kn und 2,5 m Welle mit 22 Stunden recht anstrengend. Es war meine längste Überfahrt überhaupt. Zu allem Übel ist auch noch die Seewasserpumpe zum Wärmetauscher ausgefallen, so dass bis Egersund mit einer Interimslösung, die nur einen kurzzeitigen Betrieb des Motors zuließ, nur noch gesegelt wurde. Als passionierter Fahrtensegler mit über 30.000 sm „auf der Uhr“ war es ein völlig neues, ungewohntes Gefühl, dass man auch mit 1,2 kn „Speed“ und in engen Durchfahrten zwischen den Felsen segeln kann, wenn es denn sein muss.
Letztendlich hatte Rasmus ein Einsehen und hat uns mit NE bis SE und 3 bis 5 Bft völlig unspektakulär um das berüchtigte Kap Lindesnes „geschoben“ (Bild L05).

Für die Pumpenreparatur gab es mehrere aufregende Anläufe (Pfingsten, zwei Mal falsche Montage durch die Werkstatt). Selbst mit der recht großzügigen Zeitplanung wurde die Zeit knapp mit der Folge, dass Klaus und Hans-Jürgen schon einmal die Bahn- und Busverbindungen von Egersund zum Airport Stavanger/Sola gecheckt haben. Letztendlich hat dann doch noch alles geklappt.

Nach einem Ruhetag in Tananger (Bild L06) wurden mit dem verbliebenen Mannschaftsmitglied Uwe auf dem Weg nach Bergen die urige Insel Utsira (Bilder L07, L08) und Stolmen (Bild L08) angelaufen. So haben wir uns Norwegen in unseren Träumen vorgestellt. Die Ernüchterung kam aber dann in der City von Bergen. Keine Sanitäreinrichtungen (auch das „kleine Geschäft“ nur mit Kreditkarte in der Touristeninformation), kein Service, keine Schwimmstege, aber stolze Preise von 300 NOK pro Tag. Man liegt dort bei knapp 1,5 m Tidenhub längseits an alten Autoreifen, was zwar an sich kein Problem wäre, wenn da nicht „The Norwegian Way of Päckchenbildung“ praktiziert würde. Obwohl die Norweger im Allgemeinen sehr hilfsbereit und zuvorkommend sind, wird hier nicht gefragt, sondern einfach unabhängig von der Größe des Schiffes angedockt. Mit „Kleinstbooten“ unter 40“ hat man dann halt Pech. An einem Innenlieger von 24“ ging es in einem Fall dann sukzessive bis zur 55“ Princess-Motoryacht als Siebente im Päckchen – natürlich ohne zusätzliche Landleinen (Bilder L10, L11).

Unabhängig davon hat niemand etwas dagegen, wenn man mit seinen eigenen Leinen die Päckchenlieger zusätzlich absichert. So haben wir zum Beispiel ein mit einem Zickenstrick befestigtes Partyboot, das bei steigendem Wasser recht unsanft an unser Heck stieß, zusätzlich mit unseren Leinen abgesichert und haben diese sogar nach dem Wochenende ordentlich wieder bekommen (Bilder L12, L13).

Die Stimmung war trotzdem ausgezeichnet (aber laut) und wir wurden mehrfach zum Feiern eingeladen. Leider waren aber unsere Bestände an geistigen Getränken inzwischen schon stark geschrumpft, so dass wir höflich ablehnen mussten. Auch in Norwegen gilt nämlich: Bringe mindestens so viel mit, wie du zu trinken gedenkst.

Die nächsten Etappenziele Fedje, Florø und die Insel Silda waren für Jürgen, Christian und den Skipper im wahrsten Sinne des Wortes ein feucht-fröhliches Vergnügen (Bilder L14, L15). In Silda haben wir auf eine günstige Gelegenheit gewartet, das besonders unter Motorbootfahrern gefürchtete „Stattlandet“ (auch „Statt“ bzw. der westlichste Punkt „Vestkapp“) zu umrunden. Das Projekt, hier an der schmalsten Stelle einen Kanaltunnel für Hurtigruten & Co. zu bauen, wird nach norwegischen Angaben immer wahrscheinlicher. Für uns hieß das letztendlich eine fünfstündige Motorfahrt bis zur Insel Kramsøy. Das Motto „lieber schnell motort als schlecht gesegelt“ haben wir leider schon von den Norwegern übernommen.

Das nächste Ziel „Geiranger“ wurde im Storfjord bei Strada aufgegeben. Windstille, Gegenwind und Fallböen von bis zu 39 kn haben den Zeitplan gehörig durcheinander gewirbelt. Dafür war der kleine Hafen Stordal mit beheizter Terrasse und Blick auf die schneebedeckten Berggipfel der Schönste der bisherigen Reise.

Der Schlag von Ǻlesund nach Bud war bei WNW 6 und Wellen von 4 m endlich mal echtes Atlantikfeeling. Die Bedenken bezüglich der recht schmalen Hafenzufahrt von Bud bei dem hohen Wellengang waren auf Grund einiger vorgelagerter Inseln fast unbegründet. Die gut erhaltenen Befestigungsanlagen aus dem Zweiten Weltkrieg nebst einem Museum sind einen Besuch wert. Ansonsten eignet sich der Ort bzw. der Hafen hervorragend zum Warten auf brauchbares Wetter zum Durchqueren der „Hustadvika“, eines der gefährlichsten Seegebiete Norwegens (Bilder L16, L17). Wenn hier der Wind gegen Strom und Dünung weht, entwickelt sich ein chaotischer steiler Seegang.

Am nächsten Vormittag war der Wind zwar abgeflaut, aber die Dünung war noch beträchtlich. Wir konnten uns nicht entschließen, los zu segeln. Die Entscheidung wurde uns etwas leichter gemacht, als ein Norweger aus Kristiansund (Bild L18) anbot, einfach unter Motor hinter seiner Bavaria 44 durch das Labyrinth zu fahren. Wir sind wohlbehalten in Kristiansund angekommen, obwohl bei der Überfahrt unerwartet aus dem Nichts auftauchende Brecher öfter für Überraschungen gesorgt haben. Ein möglicher plötzlicher Motorschaden war für alle eine Horrorvorstellung.

Ein paar Tage nach dem nächsten Crewwechsel in Trondheim war „abwechslungsreiches“ Wetter für die neuen Mitglieder Norbert und Thomas angesagt. Nieselregen hat sich mit Schauern abgewechselt, Schauer mit Dauerregen…, Dauerregen mit Starkregen …, und das Ganze bei 9 bis 11°C.

Ein Lichtblick im wahrsten Sinne des Wortes war bei dem schlechten Wetter der kleine Hafen Møyhamna auf dem Weg nach Brønnøysund (Bild L19). Nach Entrichtung von nur 100 NOK (etwa 11€) in die „Honesty Box“ haben wir den „Torghatten“ bestiegen. Das ist der berühmte Berg mit dem sagenumwobenen Loch in der Mitte, das auch vom Atlantik aus zu sehen ist (Bilder L20, L21, L22).

Kurz vor dem Polarkreis in Tonneshavn hat uns das Wetterglück für ein paar Tage ganz verlassen. 5 bis 6 Bft aus N/NE, bei max. 10 °C und Dauerregen sind selbst für den eingefleischten Nordmann zu viel des Guten. Dank Dieselheizung, Tørketrommel (norwegisch für Wäschetrockner, bei uns ein zusätzlicher Elektrolüfter zum Wäschetrocknen in der Dusche), gutem Essen und viel Literatur haben wir die zwei Hafentage trotzdem recht angenehm verbracht (Bilder L23, L24).

Langsam trat eine Wetterbesserung ein. Am 14. Juli 2017 um 11:35 Uhr haben wir unter Segel und teilweise sogar ohne Regen den Polarkreis bei der kleinen Insel Vikingen überquert (Bild L25). Als Highlight haben uns zwei ca. 5 m lange Wale in einigem Abstand begrüßt. Leider ließ die Gegenpartei in Form eines Walfängers nicht lange auf sich warten (Bild L26).

Die Diskussion mit Norwegern über das Thema Walfang ist übrigens ein absolutes Tabu. Das Fleisch wird in fast allen Supermärkten und Wochenmärkten gehandelt.

Endlich hatte Petrus den Schalter umgelegt. Die nächsten drei Wochen sollten schönstes Segel- und Badewetter (14 bis 19°C Wassertemperatur) werden. Die 52 sm von Bodø nach Reine auf den Lofoten waren einfach traumhaft. Wir haben dieses Ziel auf Moskenesøy schnell und trocken erreicht (Bild L27). Der erwartete Geruch des Stockfisches hielt sich in Grenzen, da nur noch die getrockneten Fischköpfe, die für den afrikanischen Markt bestimmt sind, vorhanden waren (Bild L28).

Die gesamte Gegend ist einfach eine Postkartenidylle mit saisonalem regen Tourismusbetrieb (Bilder L29, L30).

In Nusfjord, Flakstadøys bekanntestem Fischerdorf, lagen wir längsseits an der Seeadler vom DHH Glücksburg. Irgendwie haben wir uns immer wieder getroffen - zuletzt 2015 auf Utö/Finnland (Bild L31).

Vor dem anstehenden Crewwechsel in Svolvǽr wurde noch ein Abstecher zum berühmten Trollfjord gemacht. Angelegt wurde im Norden an dem kleinen Wasserkraftwerk von 1956, das noch immer mit seiner 1.500 kW Turbine im Betrieb ist. Wenn spät abends ein Großsegler bzw. ein Hurtigrutenschiff den Fjord passiert, dort dreht und in absoluter Stille ein langes Signal abgibt, ist das ein erhabenes Gefühl (Bilder L32, L33, L34).

Mit dem neuen Mitsegler Andy aus Hamburg (letzter Blockmacher Deutschlands), der nach viermaligen Umsteigen doch noch nach 12 Stunden ohne Gepäck in Svolvǽr (Bild L35) eintraf, standen als nächste Ziele die südlichen Lofoteninseln Vǽrø (Bilder L36, L37) und Røst auf dem Programm (Bilder L38, L39, L40). Auf der Vogelinsel Røst sorgten die vielen Vögel und vor allem die Schreie der Dreizehenmöwen unwillkürlich zu Erinnerungen an Alfred Hitchcocks Klassiker „Die Vögel“.

Von dort gab es eine atemberaubende Überfahrt zum Festland. Norwegens zweitgrößten Gletscher Svartisen im Blick voraus, erreichten wir bei idealen Wind- und Sichtverhältnissen (Bilder L41, L42, L43, L44). Der Aufstieg zur Gletscherzunge war eine schweißtreibende Arbeit in kurzen Hosen. Vor Ort gab es natürlich den selbst gemixten obligatorischen Drink mit tausendjährigem Gletschereis (Bilder L45, L46). Eine schwedische Crew hatte zu diesem Zwecke eine ganze Bar mitgeschleppt.

Die Zweite Polarkreistaufe wurde dann am 27.Juli 2017 um 17:20 Uhr bei erstaunlichen
22 °C (Bilder L 47, L48) vollzogen.

Der Wetterbericht für Norwegen, aber auch für den gesamten Ostseeraum, - www.yr.no - sagte für den Abend in unserem Gebiet 17 m/s (8 Bft) Wind und sintflutartigen Regen voraus. Dieser Wetterbericht, der auf Grund der Treffsicherheit und der stundenweisen Auflösung einer der besten ist, hat uns auf der ganzen Reise stets begleitet. Da es die Zeit und das Wolkenbild noch zuließ, wurde nicht Rørvik, sondern die Inselgruppe Sørgjǽslingerne im Südwesten zum Schutz angelaufen. Zwei Stunden nach der sicheren Ankunft begann der Hexentanz (Bilder L49, L50). Am nächsten Tag war wieder Badewetter wie zuvor (Bilder L51, L52). Gern wären wir hier noch ein paar Tage geblieben, aber das nächste Crewmitglied war schon für Trondheim avisiert.

Ein kleiner Umweg über die Atlantikinsel „Halten“ musste aber dennoch sein. Natur pur, viele Vögel, kitschige Sonnenuntergänge und direkter Blick vom Cockpit auf den berühmten Leuchtturm waren die Belohnung. Weder Strom noch Wasser, keine Entsorgungsmöglichkeit und kein Mobilfunkempfang, d. h. keine exakte Wettervorhersage, waren der kleine Preis dafür (Fotos L 534, 536, 544, 554).

Den Abschluss des fast dreiwöchigen erlebnisreichen Schönwettertörns mit Andy bildete ein fantastisches Orgelkonzert im Nidarosdom zu Trondheim.

Das nächste Mannschaftsmitglied Peter kam für die restlichen 1.000 sm nach Deutschland an Bord und musste kurz darauf schon richtig in seinem Beruf als Klempnermeister arbeiten. Am Ende der Trondheimsleia flog die Riemenscheibe der Seewasserpumpe weg und wurde dabei beschädigt. Man sollte halt selbstsichernde Muttern nie mehrfach benutzen, wie in Egersund leider doch geschehen. Nach einer Notreparatur (Bild L57) wurde in Kristiansund eine komplette neue Pumpe bestellt, die vom Yanmar-Zentrallager in den Niederlanden an Volvo
Ǻlesund geschickt wurde (Bild L58). Auf diese Weise konnte ein Zeitfenster von 2 Tagen zur äußeren Umfahrung der „Hustadvika“ genutzt werden.

Die Vogelinsel Runde, 15 sm von Ǻlesund, ist ein Eldorado für Ornithologen aus aller Welt (Bilder L59, L60). Endlich konnten wir einmal einen Papageientaucher in Aktion sehen .

Die sechste Umrundung von Kap Lindesnes bei Sonne und Flaute lud gerade dazu ein, endlich einmal Lillehavn anzulaufen, um den berühmten Leuchtturm in Augenschein zu nehmen (Bilder L61, L62, L63). Das nicht mehr im Betrieb befindliche Nebelhorn, ein so genanntes Diaphone, verbraucht 16 m³ Luft pro Sekunde und ist das Größte seiner Art. Jedes Jahr am letzten Sonntag im Juli ist Nebelhorntag. Ein riesen Gaudi für das Publikum auf Lindesnes (Ohrstöpsel nicht vergessen!).

Der Start über das Skagerrak nach Skagen war wie immer am frühen Nachmittag von Kristiansand aus. Da die Windgeschwindigkeit bereits in den Abendstunden mit W 6 bis 7, Böen 8 Bft, erheblich über der Vorhersage lag, musste vor Skagen bei extremem Schiffsverkehr noch anderthalb Stunden „gebummelt“ werden, um nicht im Dunkeln in den Hafen einlaufen zu müssen. Gegen 6:00 Uhr mit dem ersten Licht konnten wir dann endlich festmachen.

Weiter ging es zum Ankern in die schöne Pakhusbugt im SE von Anholt. Nach dem Aufholen des Ankers am nächsten Morgen, konnte dann zum ersten und letzten Mal während des gesamten Törns der Blister hervorgeholt werden (Bilder L64, L65).
Für die gut 300 sm bis Barth wurden dann auf bekannten Wegen nur noch 5 Tage benötigt.

Bilder vom Törn

zurück zum Seitenanfang